Wer entwickelt die gastro-tracking Toilette?

  • „Intelligente Toiletten“, die die Gesundheit tracken, könnten eine Zukunftstechnologie sein
  • Kontinuierliche Datenerfassung würde Gastroenterologen bei der Diagnose helfen
  • Momentan spülen wir wichtige Gesundheitsinformationen einfach weg

Eine Innovation, die jeder Gastroenterologe nutzen könnte: Eine „intelligente“ Toilette

Was ist damit gemeint? Nein, nicht diese komfortablen Toiletten mit Warmwasserreinigung, Lufttrocknung und Sitzheizung, die in Japan (und in der Zentrale von Google) seit Jahren allgegenwärtig sind. Auch nicht die Toilette in die Bill Gates 200 Millionen Dollar investieren will. Ein Toilette die menschliche Abfälle in brauchbaren Dünger und sauberes Wasser verwandelt. Letzteres ist nützlich und notwendig, da eine so verbesserte Hygiene die Zahl der Säuglingstoten um 50.000 senken und jährlich Milliarden von Dollar einsparen könnte.

HIer ist eine smarte Toilette gemeint, die die Gesundheit trackt.

Wenn Medizintechniker eine Hardware zur Überwachung und Diagnose von Magen-Darm-Erkrankungen entwickeln würden, profitieren behandelnde Gastroenterologen und deren Patienten davon. Bis dahin spülen wir viele Gesundheitsinformationen ungesehen weg.

Die Notwendigkeit einer „intelligenten Toilette“.

Patienten verbringen 99,9 Prozent ihrer Zeit außerhalb der Praxis ihres Arztes. Die meisten Daten, die der Arzt heute für seine Entscheidungen verwendet, werden jedoch unregelmäßig in Labors, Kliniken oder Krankenhäusern erhoben.

Zukünftig wird das Wissen über den täglichen Gesundheitszustand eines Patienten außerhalb der Klinik der Schlüssel zu einer ganzheitlichen Diagnose und damit zu einer besseren Behandlung führen. Eine kontinuierliche Datenerfassung hilft, Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Wir haben in den letzten zehn Jahren viele mobile Geräte gesehen. Und die jüngste Generation von ihnen versucht, diese Datenlücke zu schließen, indem sie mehr medizinische Informationen als Schritte und Kalorien mit Ärzten austauscht. Ein Beispiel ist die Apple Watch 4, die ein medizinisches Elektrokardiogramm (EKG) eines Patienten aufnehmen kann, um abnormale Herzrhythmen zu erkennen. Solche medizinischen Technologien zielen darauf ab, ein besseres Gefühl für die Gesundheit der Menschen außerhalb der Arzt-Praxis zu bekommen.

Bisher haben wir keine vergleichbaren Technologie-Ansätze für den menschlichen Darm.

Es wäre sicherlich eine große Innovation für diesen Bereich, in dem die Patienten viel Scham verspüren. Erhobene Daten könnten zweifellos die Wirkung von Behandlungen verbessern.

Patienten jeden Alters leiden an Magen-Darm-Symptomen. Wir sind uns der Auswirkungen der Ernährung auf die allgemeine Gesundheit bewusst. Doch abgesehen von wenigen verfügbaren Technologien zur Analyse des Mikrobioms des Darms gibt es fast keine Geräte, die kontinuierlich Informationen über unsere Darmgesundheit überwachen und austauschen.

Die naheliegende Lösung ist ein Upgrade der Toilette, die seit Jahrhunderten nicht wesentlich verbessert wurde.

Viele Unternehmen haben versucht, eine health-tracking Toilette zu entwickeln, aber die meisten sind gescheitert, weil sie nicht belegen konnten, dass ihre Daten genau genug waren. Die Toilettengiganten Toto und Matsushita machten einen Schritt in die richtige Richtung, als sie WiFi-verbundene Toiletten auf den Markt brachten, die den Body-Mass-Index, biochemische Werte (Zucker, Protein), die Strömungsgeschwindigkeit und die Temperatur des Urins messen. Inui Health (früher bekannt als Scanadu) entwickelte eine mit dem Smartphone verbundene Urinanalyse, die Blasenentzündungen, Diabetes vor und während der Schwangerschaft und Nierenerkrankungen erkennen kann.

Keines davon wurde in eine Toilette integriert.

Erfassung wichtiger Daten

Eine der wichtigsten Probleme von Wearables ist der Aufwand für den Patienten. Es wird schnell umständlich, ein Gerät aufzuladen, Daten zu übertragen und ein Gerät den ganzen Tag über bei sich zu tragen. Toiletten werden jedoch täglich genutzt und ermöglichen eine passive und kontinuierliche Überwachung der persönlichen Gesundheitsdaten.

Für Ärzte wären schon grundlegende Daten zu Stuhl und Urin im Krankenhausumfeld sehr wertvoll.

Ärzte stellen Patienten Fragen über ihren Stuhlgang (Konsistenz, Farbe, Blut, etc.). Sie verlassen sich derzeit sehr auf anekdotische Berichte der Patienten oder Krankenschwestern. Erschwerend kommt hinzu, dass die Patienten oft nicht mehr wissen, ob sie überhaupt einen Stuhlgang hatten.

Aber die Toiletten-Häufigkeit eines Patient ist auch klinisch wichtig, um zu beurteilen, ob seine Darmgesundheit sich bessert. Ältere Demenzkranke haben oft tagelang keinen Stuhlgang und sind daher einem Risiko für Darmperforation und schwere Infektionen ausgesetzt. Manche Krankenhäuser verwenden ein mit dem Harnwegskatheter verbundenes Gerät zur Echtzeitmessung von Urinvolumen und -temperatur, aber für den Stuhlgang gibt es nichts Ähnliches.

Neben der Urin- und Stuhlanalyse sind die Einsatzmöglichkeiten der smarten Toilettenanalyse nahezu unbegrenzt. Sie sind der ideale Ort, um Kennzahlen für die tägliche Messung wie Blutdruck, Körperfett und Gewicht zu erfassen, ohne den Patienten damit zu belasten. Viel Potenzial hätte auch die Messung von hautnahen Elektrokardiogrammen. Alphabet hat im Jahr 2015 sogar Patente für drucksensorische Toilettensitze zur Blutdruckmessung angemeldet.

Patienten könnten eine „intelligente Toilette“ benutzen, um ihre eigene Gesundheit, ihr eigenes Wohlbefinden und ihre Ernährung besser zu kontrollieren. 

Eine Umfrage des Forschungsunternehmens Accenture ergab, dass neun von zehn Menschen bereit sind, Gesundheitsdaten mit ihrem Arzt zu teilen. Und die Akzeptanz der tragbaren Gesundheitstechnologie beim Verbraucher nimmt exponentiell zu. Die überwiegende Mehrheit der in der Studie befragten Patienten war der Meinung, dass tragbare Gesundheitsgeräte das Patientenverständnis des Arztes und die Kommunikation mit dem Arzt verbessern.

Wie bei jedem Gesundheitsgerät besteht die Gefahr, dass Fehlalarme oder Überdiagnosen ausgelöst werden, die zu unnötigen Aufwänden und erhöhten Kosten führen könnten. 

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Bert Gogolin

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